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Unsere Eingewöhnungsphase

Liebe Eltern der neuen Kinder

Wir, das Team der DRK-Kita „Seestern“ heißen Sie und Ihre Kinder in unserer Kindertageseinrichtung recht herzlich willkommen!

In den kommenden Tagen und Wochen werden wir sehr eng zusammenarbeiten, um die Phase der Eingewöhnung für Ihr Kind so optimal wie möglich zu gestalten. In dieser Zeit möchten wir angelehnt an das sog. „Berliner Eingewöhnungsmodell“ vorgehen. Im Interesse Ihrer Kinder, insbesondere um sie nicht zu überfordern, gibt es die Regelungen. Dabei wird zuerst mit stündlichen, im Laufe der Zeit dann zunehmend auszudehnenden Besuchen begonnen. Abhängig vom Verlauf der Eingewöhnung Ihres Kindes und der gewonnenen Stabilität kann die Eingewöhnung sehr unterschiedlich sein. Erst wenn die Kinder vollkommene Sicherheit im Kindergarten-Alltag gewonnen haben, können sie bis zum Ende des Tages bleiben.

Die Eingewöhnungsphase gehört zu den für alle Beteiligten arbeitsintensivsten und sicherlich auch „anstrengendsten“ Phasen des Kindergartenjahres. Sie ist aber – angesichts der rasanten Entwicklungsschritte der Kinder – auch eine sehr lohnenswerte und spannende Zeit. Und sie sieht natürlich sehr unterschiedlich aus, je nachdem welche Rolle man in diesem Prozess spielt. Drei grundlegend verschiedene Perspektiven – die der Kinder, die der Eltern, die der Gruppenerzieherinnen - lassen sich dabei unterscheiden. Wir beschreiben diese im Folgenden, um bei Ihnen um Verständnis für die Organisation der Zusammenarbeit zu bitten, aber auch, um Ihnen die Orientierung zu erleichtern.

1. Die Perspektive der Kinder

Für die Kinder ist der erstmalige Eintritt in den Kindergarten ein riesengroßer Schritt. Sie beginnen einen grundlegend neuen Lebensabschnitt. Natürlich sind die individuellen Voraussetzungen dafür je nach Alter, nach bereits vorhandener Erfahrung in der Tagesbetreuung (Tagesmütter) oder nach Vertrautheitsgrad mit dem Kindergarten (Geschwisterkinder) sehr verschieden. Aber alle neuen Kinder treten in eine ihnen fremde Welt ein, zu der sie im Laufe der kommenden Wochen vertrauen fassen müssen. Sie lernen, sich innerhalb dieser Welt zunehmend selbständig – ohne Eltern – zu bewegen. Das sind gewaltige Anforderungen deren Bewältigung Zeit und Geduld erfordert.

In gewisser Weise ist so ein Kindergartentag für die neuen Kinder wie ein Tag schwerster körperlich-geistiger Arbeitsbelastung. Das Kennenlernen vieler anderer Kinder und neuer erwachsener Bezugspersonen, das Vertraut-Werden mit neuen großen Räumen, die Konfrontation mit neu einzuhaltenden Regeln und die Erfahrung von Trennungssituationen sind Bestandteil dieses Tages. Tausend Eindrücke, die verarbeitet werden wollen und sollen. Angesichts der Masse von Eindrücken ist es wichtig, den Kindern eine dosierte und pro Tag zeitlich begrenzte Eingewöhnung zu ermöglichen. Auf diese Weise lässt sich der Gefahr der Überreizung vorbeugen und die Möglichkeit des Aufkommens von Gefühlen des Verloren-Seins-im-Chaos gering halten.

Dabei stellt die Regel, dass die Kinder während der ersten vier Wochen spätestens nach dem Mittagessen abgeholt werden müssen, einen groben Rahmen dar, den wir im Einzelfall flexibel handhaben. Am Anfang geht es vor allem darum, das Sich-Trennen zu lernen und zugleich Verlässlichkeit hinsichtlich des Zeitpunkts des Abholens zu erfahren. „Vertrauensbildende Maßnahmen“ sind hier erforderlich. Aus diesen Gründen ist eine Einhaltung der Abholzeiten, welche die Gruppenerzieherinnen mit Ihnen, den Eltern, individuell absprechen wird, unbedingt erforderlich. So beginnen z.B. die ganz kleinen Kinder mit kurzen, ca. einstündigen Besuchen, die langsam ausgedehnt werden. Manche Kinder brauchen ihre Eltern während der Zeit der Eingewöhnung mehr, andere weniger, manche ältere oder schon lang mit dem Kindergarten vertraute (Geschwister) Kinder kommen vielleicht sogar schon gut alleine klar. Wichtig ist, dass es hier keinen besseren oder schlechteren oder etwa einen einzigen „richtigen“ Weg gibt. Vielmehr hat jedes Kind ein Recht und einen Anspruch auf eine individuelle Eingewöhnung, nämlich auf jene, mit der es am besten zurechtkommt.

2. Die Perspektiven der Eltern

Mit dem Eintritt der Kinder in die Kita beginnt oftmals eine umfassende Veränderung des Familienlebens (Wiederaufnahme der Berufstätigkeit, usw.) insbesondere dann, wenn die Kinder zum ersten Mal außerhalb der Familie betreut werden. Diese Veränderungen bedeuten auf der anderen Seite aber auch, dass eine oft als sehr intensiv erlebte Zeit der Mutter- (bzw. Vater-) Kind - Beziehung zu Ende geht. Für diejenigen, die Ihre Kinder bisher allein zuhause betreut haben, ist die Zeit der ausschließlichen Eltern-Kind Beziehung nun endgültig vorbei. Ihr Kind wird neue Bezugspersonen kennen und hoffentlich auch mögen lernen, und es findet neue Freunde. Diese Entwicklung ist für die Kinder ein notwendiger und positiver, für die Eltern manchmal jedoch auch ein schmerzlicher Schritt, wissen sie doch zumindest unbewusst darum, dass die Zeit intensivster Gemeinsamkeit nun unwiderruflich vorbei ist.

Hinzu kommt, dass die Entscheidung, das eigene Kind in einer Kindertageseinrichtung betreuen zu lassen, nicht allen Eltern leicht fällt. Manche haben Zweifel, ob diese Entscheidung auch wirklich richtig gewesen ist. Verstärkt werden können diese Zwiespältigkeiten auch dadurch, dass sich ja nicht nur ihre Kinder, sondern auch die Eltern in einem ihnen fremden Raum erst einmal zurechtfinden müssen. „Wie ist die Erzieherin?“ „Ist sie nett zu meinem Kind“? „Kommt mein Kind mir ihr klar?“ „Entspricht die pädagogische Arbeit wirklich unseren Vorstellungen?“ „Wie sind die andern Kinder/Eltern?“ usw. All dies sind Fragen, die manchen Eltern jetzt vermutlich durch den Kopf gehen.

Bei allem Verständnis für die Unsicherheiten der Eltern gibt es einen Punkt, der ausgesprochen wichtig ist und über den man sich vollkommen klar sein muss: Kinder haben ein untrügliches Gespür für Stimmungen. Nichts entgeht ihnen weniger als Unsicherheiten, Zweifel, Unschlüssigkeiten ihrer Eltern. Denn genau an diesem Punkt - solange eine Situation noch unentschieden ist -, gibt es für die Kinder die Möglichkeit, auf eine jeweilige Entscheidung Einfluss in ihrem Sinne zu nehmen. Diese Fähigkeit ist auf der einen Seite sehr wichtig, müssen Kinder doch lernen, sich für ihre Auffassungen und Wünsche einzusetzen. Wenn jedoch die Erwachsenen sich ihrer selbst nicht vollkommen sicher sind und es Ihnen an einer klaren Haltung mangelt, kann diese Konstellation zu einer schwierigen Trennungssituation führen.

„Gehen oder Bleiben?“ lautet hier die Frage, auf die Eltern immer eine eindeutige Antwort parat haben müssen. Wir kennen den verständlichen Wunsch von Eltern, dass sie möchten, dass ihr Kind sich fröhlich von ihnen verabschiedet. Aber: „Scheiden tut weh“, sagt ein Sprichwort, und „Aller Anfang ist schwer“ ein anderes. Abschied-Nehmen ist nicht etwas, was man einfach kann, sondern es will gelernt sein (lautes Weinen bis hin zum fassungslosen Schluchzen ist erlaubt!), sie haben aber ebenso ein Recht darauf, auf eine klare und eindeutige Haltung auf Seiten der Erwachsenen zu treffen. Denn diese sind es, die eine jeweilige Situation bestimmen und die Verantwortung haben. Die Kinder in dieser Situation bestimmen zu lassen, ob man bleibt oder geht, heißt, sie zu überfordern und den Trennungsschmerz aufgrund des „Hin- und Hergerissenseins“ unnötig zu verlängern. Es ist insofern für die Eltern sehr wichtig, sich nicht erst in der Situation zu fragen, ob sie gehen oder bleiben wollen, sondern dies jeden Tag eine gewisse Zeit vorher (ggf. in Absprache mit der Gruppenerzieherin und in Abhängigkeit von dem Stand der Eingewöhnung) festzulegen, und sich dann dementsprechend klar, eindeutig und bestimmt zu verhalten.

3. Die Perspektive der Erzieherinnen

Für die Erzieherinnen zählt die Zeit der Eingewöhnung zu jenen Perioden des Kindergartenjahres, die sie am stärksten fordern. Sie wissen, dass alles, was sie jetzt richtig und gut machen, ihnen und allen Kindern und Eltern das ganze nächste Jahr zugute kommen wird, aber auch, dass all das, was jetzt versäumt wird, was jetzt falsch gemacht wird, sie das ganze kommende Jahr beschäftigen und nicht mehr loslassen wird. Mit dem Eintritt neuer Kinder wird die Gruppe neu gemischt. Für die Erzieherinnen gilt es, Bindungen zu den neuen Kindern herzustellen, ohne die alten zu vernachlässigen. Sie müssen strikt darauf achten, die neuen jüngeren Kinder nicht zu über-, aber sie auch nicht zu unterfordern. Gleichzeitig gilt es, ständig mit den Eltern, also mit Ihnen, im Gespräch zu bleiben, Absprachen zu treffen und den Verlauf der Eingewöhnung zu reflektieren. Eigentlich haben Erzieherinnen in dieser Zeit immer einige Hände zu wenig. Deshalb sind sie auf Unterstützung angewiesen, von den alten Kindern, insbesondere aber auch auf die Unterstützung derjenigen Eltern, die während der Eingewöhnungsphase im Kindergarten und im Gruppenraum sind.

Insofern unsere Bitte an Sie als Eltern: Wenn Sie im Gruppenraum sind, beteiligen Sie sich bitte am Gruppengeschehen. Sie können z.B. den Tisch abräumen, den Waschraum wischen, auf dem Außengelände auf die Kinder achten usw. Vergessen sie nicht, dass neben Ihrem eigenen auch andere Kinder da sind, die manchmal Hilfe brauchen oder getröstet werden müssen. Je eindeutiger Sie sich der Gruppe, den anderen Kindern und Erwachsenen gegenüber verhalten, und je mehr Sie sich auf sie einlassen, desto schneller fasst auch Ihr Kind Vertrauen. Ihr Kind braucht gerade jetzt ein klares, unterschützendes Vorbild.

So, liebe Eltern, das wären aus unserer Sicht die wichtigsten Punkte und Tipps.  Für Anregungen, Hinzufügungen, Kritik und ein Feedback Ihrerseits wären wir sehr dankbar.

Wir freuen uns auf eine gute und dauerhafte Zusammenarbeit.

Ihr Team der DRK-Kita „Seestern“